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Stadtgeschichte
Wissenswertes
finden sich im gesamten Gebiet seit der Altsteinzeit, aber sichtbarere Zeugnisse
haben hier Menschen erst seit etwa 2000 v.d.Z. hinterlassen: Hügelgräber,
Befestigungen, Schanzen.
Den Kelten folgten im 1. Jh. n.d.Z. die Römer. Gesichert und teils auch
noch sichtbar ist der Alb-Limes etwas südlich (Gomadingen) und die wichtige
römische Neckartalstraße. Endlich wurden auch im nördlichen Stadtgebiet
Altenburg bei Grabungsarbeiten an der B 464 Reste eines römischen Gutshofes
gefunden. Die Römer verliessen die Region, nachdem Alemannen um 260 n.d.Z.
mehrfach den Limes durchbrachen und sich hier ansiedelten.
Bereits für das 4. Jh. ist ein befestigter Herrensitz (bei Urach) nachgewiesen.
Endungen von Ortsnamen mit "-ingen" verweisen heute noch auf ihre
alemannischen Gründer. Die Ursprünge Reutlingens werden im 5. Jh.
vermutet, etwa anstelle des Friedhofs Unter den Linden und der Kirche St.
Peter in den Weiden.
1030 wurde mit dem Bau der Burg Achalm durch Graf Egino begonnen, die somit
eine der ersten Höhenburgen in Süddeutschland wurde.
1089 wurde Reutlingen erstmals urkundlich erwähnt, und zwar im Bempflinger
Vertrag.Graf Eginos Bruder Rudolf stellt die Burg fertig. 1098 starb der letzte
(männliche) Achalmgraf.
Um
1180 erhielt Reutlingen das Marktrecht durch den Stauferkönig Friedrich Barbarossa
und ab 1220 wurde Reutlingen durch Friedrich II. zur Stadt entwickelt, mit
einer Befestigung ausgestattet und erhielt 1240 die Stadtrechte, wurde schließlich
freie Reichsstadt und Mitglied im Schwäbischen Städtebund. Damit waren häufige
Händel mit Württemberg programmatisch, die nach weiteren Besitzungen
lechzten. Reutlingen wurde mehrfach belagert. Als Dank für eine erfolgreich
abgewehrte Belagerung soll im 13. Jh. die Marienkirche gebaut worden sein.
1262 wurde Reutlingen durch den letzten Hohenstaufer Konradin ausgerechnet
an Württemberg "verpfändet". Auch die Verwandten der weiblichen
Linie der Almgrafen, die Grafen von Urach, mussten ihren Uracher Besitz an
Württemberg übereignen und auf Fürstenberg siedeln.
1377 fand die Schlacht bei Reutlingen statt. Worum ging es da doch gleich?
Auf dem Marktbrunnen steht Kaiser Maximilians II. (1527-1576), der 1576 die
zünftisch-demokratische Verfassung der Reichsstadt Reutlingen restituierte.
1726 brannte praktisch die ganze Stadt nieder.
Napoleon
brachte etwas Ordnung ins kleinstaaterische Gefüge. 1802 wurde Reutlingen
ein Oberamt Neuwürttemberg, wurde 1817 Regierungssitz für den Schwarzwaldkreis
(bis 1924).
Durch die Industrialisierung entstanden in Reutlingen viele Fabriken, die Eisenbahnanbindung wurde "durch" den Ökonomen Friedrich List (1789 bis 1846) realisiert, der auch etwas Dynamik und Ordnung ins städtische Gefüge brauchte. Er förderte auch den Bau eines deutschen Eisenbahnnetzes. Als Volkswirtschaftler wirkte er mit bei der Schaffung des Deutschen Bundes. Wegen demokratischer Gesinnung kam er in Haft. Ist insgesamt wohl ein Denkmal wert.
Die Stadt wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. gern Stadt der Millionäre
genannt. Eine reiche Stadt also, die im Zweiten Weltkrieg erneut erhebliche
Zerstörung erleiden musste und trotzdem noch eine hübsche Altstadt mit zahlreichen
Fachwerkbauten vorweisen kann.
Inzwischen hat die neue Altstadt für viele schon Patina angesetzt. Ideen
werden gesucht für behutsame zukunftweisende innenstädtische Projekte.
Manchem fällt erst jetzt auf, dass die Marienkirche deplaciert herum
steht und einige Straßen zu eng sind.
Einige aufgeweckte Beamte spielen gewiss mit der Möglichkeit, ortsfremde
Parker verstärkt abzustrafen und so aus der Innenstadt zu verkraulen.
Das brächte Geld ins Stadtsäckel. Andererseits würden Kosten
verursacht: an jeder Straßenecke ein Parkverbotsschild mit all den vielen
Zusatzschildern für die Ausnahmen.

Merke:
Eine Stadt ist nur attraktiv so lange sie einen Besuch lohnt. Also über
die Stadtmauer - wie Herr List.